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Sprichwort „Jacke wie Hose“: Bedeutung und Herkunft erklärt

Kurzantwort: „Das ist Jacke wie Hose“ bedeutet: Es ist egal, es macht keinen Unterschied. Die Redensart ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Damals kam es in Mode, Jacke und Hose aus demselben Stoff zu schneidern; vorher waren beide Kleidungsstücke aus unterschiedlichem Material. Zwischen Jacke und Hose gab es also, was den Stoff betrifft, keinen Unterschied mehr. Streng genommen ist der Satz eine Redewendung und kein Sprichwort.

„Ob wir Samstag oder Sonntag fahren, ist mir Jacke wie Hose.“ Jeder versteht den Satz, kaum jemand weiß, warum ausgerechnet zwei Kleidungsstücke für Gleichgültigkeit stehen. Die Antwort führt in die Schneiderwerkstätten des 17. Jahrhunderts.

Der Redensarten-Index stuft „Jacke wie Hose sein“ mit der Häufigkeit 6 von 7 ein, die Wendung ist also im Alltag sehr verbreitet. Sie steht im Duden, im DWDS und im Wiktionary, jeweils mit derselben Erklärung. Dieser Text zeigt, was sie bedeutet, woher sie kommt und wie du sie richtig benutzt.

Was „Jacke wie Hose“ bedeutet

Der Duden erklärt „Jacke wie Hose sein“ als umgangssprachlich für „einerlei, egal, gleichgültig sein“. Der Redensarten-Index nennt „egal, gleich, gleichgültig sein“. Das Wiktionary formuliert es genauer: „ohne Bedeutung, ohne Belang sein, keinen Unterschied machen“.

Der Kern ist der fehlende Unterschied. Wer sagt „Das ist Jacke wie Hose“, meint: Beide Möglichkeiten laufen auf dasselbe hinaus, deshalb ist es mir gleich, welche eintritt. Ein Beispiel aus dem Redensarten-Index: „Ob ich geduzt oder gesiezt werde, ist mir Jacke wie Hose.“ Ein anderes: „Es ist nicht Jacke wie Hose, welche Socken man wann anzieht.“

Die Herkunft: Schneider und der gleiche Stoff

Alle drei Nachschlagewerke führen die Redensart auf die Kleidermode der Neuzeit zurück. Früher wurden Jacke und Hose aus verschiedenen Stoffen gefertigt. Die Jacke entstand laut Wiktionary aus einem gekürzten Rock oder Mantel, die Hosen waren ursprünglich Strümpfe, sogenannte Beinlinge.

Im 17. Jahrhundert kam es in Mode, beide Teile aus demselben Tuch zu nähen, so wie es heute beim Anzug selbstverständlich ist. Laut Redensarten-Index war „Jacke wie Hose“ die Bezeichnung der Schneider für diese Neuerung: Der Stoff der Jacke war derselbe wie der Stoff der Hose. Aus der Fachsprache der Werkstatt wurde eine Redensart für alles, was sich nicht unterscheidet.

Die ältere Wendung: zwei Hosen eines Tuches

Der Redensarten-Index nennt eine noch ältere Formel mit derselben Bedeutung: „Das sind zwei Hosen eines Tuches.“ Auch hier geht es um identischen Stoff. „Jacke wie Hose“ hat diese Wendung abgelöst und ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Eine genaue Erstquelle mit Jahr nennen die Wörterbücher nicht.

Woher das Wort Jacke kommt

Das Wort selbst ist älter als die Redensart. Der Duden leitet „Jacke“ aus dem Spätmittelhochdeutschen her, das es aus dem Altfranzösischen „jacque“ übernahm, einem Waffenrock. Das französische Wort geht wohl auf „jacque“ für Bauer zurück, einen Spitznamen aus dem Vornamen Jacques, weil dieses Kleidungsstück vor allem Bauern trugen.

Sprichwort oder Redewendung?

Viele suchen nach dem „Sprichwort Jacke wie Hose“. Sprachwissenschaftlich ist es eine Redewendung. Ein Sprichwort ist ein vollständiger Satz mit einer allgemeinen Lebensweisheit, etwa „Morgenstund hat Gold im Mund“. „Jacke wie Hose“ ist dagegen ein Baustein, der erst im Satz seine Funktion bekommt: „Das ist Jacke wie Hose“, „Mir ist es Jacke wie Hose“, „Ob so oder so, Jacke wie Hose“.

Für den Gebrauch spielt der Unterschied keine Rolle. Für die Suche in Wörterbüchern schon: Der Duden führt die Wendung unter dem Stichwort „Jacke“, der Redensarten-Index unter „Jacke wie Hose sein“.

So benutzt du die Wendung richtig

Die Redensart ist umgangssprachlich. In einer E-Mail an Freunde passt sie, in einem Bewerbungsschreiben nicht. Sie drückt Gleichgültigkeit aus, manchmal auch leichte Resignation: „Ob ich mich beschwere oder nicht, ist am Ende Jacke wie Hose.“

Laut Wiktionary ist die Wendung im gesamten bundesdeutschen Raum üblich, mit Ausnahme des Südostens. In der Schweiz sagt man stattdessen „Hans was Heiri“, in Wien laut Wiktionary auch das aus dem Tschechischen entlehnte „všecko jedno“. Gleichbedeutende Wendungen im Deutschen sind „gehupft wie gesprungen“, „das ist schnuppe“ und „das ist wurscht“.

Die Reihenfolge bleibt fest: Jacke zuerst, dann Hose. „Hose wie Jacke“ versteht zwar jeder, die Wörterbücher führen aber nur die feste Form.

Grammatik und Beispiele

Die Wendung steht meist mit „sein“ und einem Dativ für die Person, der etwas gleichgültig ist: „Das ist mir Jacke wie Hose.“ Ohne Person beschreibt sie eine Sache: „Das ist doch Jacke wie Hose.“ Verneint wird sie mit „nicht“: „Das ist nicht Jacke wie Hose.“

Das Wiktionary sammelt Belege aus der Presse, unter anderem einen politischen Kommentar, in dem es für Jacke wie Hose erklärt wird, ob SPD oder Union die Bundesregierung bilden, und einen Bericht über Musiker, für die Kritik an Sicherheitsvorschriften im Ergebnis Jacke wie Hose blieb. Beide zeigen den typischen Gebrauch: Zwei Optionen, ein Ergebnis.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Das ist Jacke wie Hose“?

Es ist egal, es macht keinen Unterschied. Der Duden erklärt die Wendung mit „einerlei, egal, gleichgültig sein“.

Woher kommt die Redewendung „Jacke wie Hose“?

Aus der Schneiderei des 17. Jahrhunderts. Damals begann man, Jacke und Hose aus demselben Stoff zu fertigen; zwischen beiden gab es keinen Unterschied mehr.

Seit wann gibt es „Jacke wie Hose“?

Die Wendung ist laut Redensarten-Index und Wiktionary seit dem 17. Jahrhundert belegt. Eine genaue Erstnennung ist nicht dokumentiert.

Ist „Jacke wie Hose“ ein Sprichwort?

Nein, eine Redewendung. Sie bildet keinen eigenen Satz mit Lebensweisheit und wird stattdessen in einen Satz eingebaut.

Was heißt „Jacke wie Hose“ auf Englisch?

Sinngemäß „it makes no difference“ oder „six of one, half a dozen of the other“. Eine wörtliche Entsprechung mit Kleidungsstücken gibt es im Englischen nicht.

Welche Synonyme gibt es?

„Gehupft wie gesprungen“, „das ist schnuppe“, „das ist wurscht“, „einerlei“. In der Schweiz „Hans was Heiri“.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion sprichwortatlas.de — sie erklärt hier Redewendungen, ihre Herkunft und ihren Gebrauch.

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