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Kurzantwort: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ sagt man über Menschen, die Unbekanntes ablehnen, ohne es zu prüfen. Wörtlich geht es ums Essen, übertragen um jede Neuerung: fremde Küche, neue Musik, neue Technik. Der Satz gilt als grob, oft wird er selbstironisch gebraucht. Eine belegte Entstehungsgeschichte gibt es nicht; die im Netz beliebte Verbindung zur Einführung der Kartoffel unter Friedrich II. ist nicht nachweisbar.
Der Teller mit dem unbekannten Gericht bleibt stehen, das neue Handy bleibt in der Schachtel, das Konzert mit dem fremden Namen bleibt halb leer. Für alle drei Fälle hat das Deutsche denselben Satz: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“
Dieser Text erklärt, was das Sprichwort bedeutet, wie es gebraucht wird, welche Varianten es gibt und was sich über seine Herkunft tatsächlich sagen lässt. Die Belege stammen aus dem Redensarten-Index, dem Wiktionary und der SprichWort-Plattform, einem Forschungsprojekt zu Sprichwörtern mit Korpusbelegen aus Zeitungen.
Was das Sprichwort bedeutet
Der Redensarten-Index fasst es kurz: Jemand ist Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen, jemand ist konservativ. Das Wiktionary ergänzt: Er bevorzugt das, mit dem er vertraut ist. Die SprichWort-Plattform formuliert die Gebrauchsregel: Man sagt es, wenn sich jemand gegenüber ihm unbekannten Dingen zunächst skeptisch und verschlossen verhält.
Das Bild ist einfach. Der Bauer isst, was auf seinem Hof wächst. Was er nicht kennt, lässt er liegen, aus Vorsicht oder aus Gewohnheit. Übertragen steht der Bauer für jeden, der Neues erst einmal ablehnt. Das Wort „fressen“ verstärkt den Spott, weil es eigentlich für Tiere gilt.
Wie das Sprichwort gebraucht wird
Die Korpusbelege der SprichWort-Plattform zeigen zwei Verwendungen. Im engen Sinn geht es ums Essen: Eine Reisegruppe lässt im Speisewagen den Borschtsch stehen, ein Gemüsehändler hält bis ins hohe Alter an Kartoffeln, Eintopf und Kotelett fest und beäugt exotische Restaurants misstrauisch.
Im weiten Sinn steht der Satz für jede Ablehnung des Unbekannten. Eine Nürnberger Zeitung schrieb 2004 über die Klarinette, die um 1700 erfunden wurde und erst fünfzig Jahre später ins Orchester kam: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Ein Schweizer Kulturveranstalter klagte, bei unbekannten Künstlern bleibe das Publikum weg. Häufig steht das Sprichwort verkürzt: „Was der Bauer nicht kennt …“, den Rest ergänzt der Leser.
Selbstironie und Vorwurf
Wer den Satz über sich selbst sagt, gibt zu, dass er dem Neuen skeptisch gegenübersteht, und nimmt sich dabei nicht ganz ernst. Über andere gesagt, ist er ein Vorwurf: Du lehnst ab, was du nicht kennst. Weil „Bauer“ und „fressen“ beide abwertend klingen, solltest du ihn im Gespräch mit Landwirten vorsichtig einsetzen; die SprichWort-Plattform zitiert eine Zeitung, die ihn ein „grobes Sprichwort“ nennt.
Varianten des Sprichworts
Die Sprichwortforschung unterscheidet mehrere Formen. Mit oder ohne „das“: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ und „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ sind beide üblich. Mit „isst“ statt „frisst“: Diese sehr häufige Variante bezieht sich laut SprichWort-Plattform fast nur auf Speisen. Mit anderem Verb: „Was der Bauer nicht kennt, das schaut er nicht“, „das nutzt er nicht“, „das kauft er nicht“, je nach Thema.
Im Niederdeutschen ist der Satz ebenfalls zu Hause. Das Wiktionary führt aus dem Westfälischen: „Wat de Buer nich kennt, dat frïät’t hä nich.“ Die Nachbarsprachen kennen ihn auch: tschechisch „Co sedlák nezná, nežere“, slowenisch „Česar kmet ne pozna, tega ne je“. Die Slowaken sagen stattdessen „Der Bauer kratzt sich immer hinter den Ohren“.
Was zur Herkunft belegt ist
Wenig. Weder der Redensarten-Index noch das Wiktionary nennen eine Erstquelle oder ein Entstehungsjahr. Die SprichWort-Plattform zitiert eine Zeitung, die vermutet, der Satz stamme aus einer Zeit, in der Menschen sich vorwiegend von dem ernährten, was sie selbst der Erde abgewannen. Das ist plausibel, aber kein Beleg.
Im Netz wird das Sprichwort gern mit Friedrich II. von Preußen verbunden, der im 18. Jahrhundert die Kartoffel gegen den Widerstand der Bauern durchsetzte. Die Geschichte passt gut, eine Quelle dafür fehlt. Auch die Fassung mit „isst“ ist keine ältere, feinere Form; laut SprichWort-Plattform ist sie eine Ersetzung des groben „frisst“, die sich vor allem beim Thema Essen durchgesetzt hat.
Was die Psychologie dazu sagt
Die Abneigung gegen unbekannte Speisen hat einen Fachbegriff: Nahrungsmittel-Neophobie. Laut Wikipedia gibt es dafür eine eigene Messskala, die Food Neophobia Scale, und eine Version für Kinder. Studien mit dieser Skala zeigen, dass Kinder mit ausgeprägter Neophobie weniger Obst, Gemüse und eiweißreiche Lebensmittel essen als Gleichaltrige.
Der Bauer aus dem Sprichwort hat damit einen wissenschaftlichen Namen. Die Skepsis vor Unbekanntem ist ein messbares Verhaltensmerkmal, das sich schon bei Kindern messen lässt und das das Sprichwort seit Generationen beschreibt.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“?
Jemand lehnt ab, was er nicht kennt, beim Essen und übertragen bei allem Neuen. Der Satz beschreibt Skepsis gegenüber Unbekanntem.
Woher kommt das Sprichwort?
Das ist nicht belegt. Weder Redensarten-Index noch Wiktionary nennen eine Erstquelle. Die Verbindung zur Kartoffel und Friedrich II. ist eine unbelegte Erzählung.
Heißt es „frisst“ oder „isst“?
Ursprünglich „frisst“. „Isst“ ist eine häufige Abwandlung, die fast nur beim Thema Speisen gebraucht wird.
Ist das Sprichwort beleidigend?
Es gilt als grob, weil „fressen“ für Tiere steht und „Bauer“ hier für Engstirnigkeit. Selbstironisch gesagt ist es harmlos, über andere gesagt ein Vorwurf.
Gibt es das Sprichwort in anderen Sprachen?
Ja, im Tschechischen und Slowenischen fast wörtlich. Eine feste englische Entsprechung nennt das Wiktionary nicht.
Was ist das Gegenteil des Sprichworts?
„Probieren geht über Studieren“ oder „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Beide loben genau das, was der Bauer verweigert.
Quellen
- SprichWort-Plattform im Austria-Forum (TU Graz) — Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht: Bedeutung, Varianten, Korpusbelege
- Wiktionary — was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht
- Redensarten-Index — Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht
- Wikipedia — Neophobie: Nahrungsmittel-Neophobie und Food Neophobia Scale
Geschrieben von Mira, Redaktion sprichwortatlas.de — sie erklärt hier Redewendungen, ihre Herkunft und ihren Gebrauch.







