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Kurz gesagt: „Jemandem einen Bären aufbinden“ bedeutet, ihm eine Lügengeschichte zu erzählen. Mit dem Tier hat die Wendung nichts zu tun: Dahinter steckt vermutlich das mittelhochdeutsche bar für Last oder Abgabe.
Wie so oft täuscht das Bild. Das Tier kam erst durch einen Hörfehler ins Spiel.
Was sie bedeutet
Gemeint ist eine erfundene Geschichte, die jemand glaubt. Der Ton ist meist mild – es geht um Aufschneiderei und Flunkerei, nicht um Betrug mit Schaden.
„Er hat dir einen Bären aufgebunden.“
Woher sie kommt
Die wahrscheinlichste Herleitung führt zum mittelhochdeutschen Wort bar oder bâre für Last, Abgabe oder Schuld. „Jemandem eine Last aufbinden“ hieß, ihm etwas aufzubürden, das er nicht schuldete.
Weil das Wort ausstarb, ersetzte es die Sprache durch das lautlich ähnliche und bekannte Bär. Solche Umdeutungen heißen Volksetymologie – dasselbe passierte bei „Hals- und Beinbruch“, das aus dem Jiddischen stammt.
Das entstandene Bild ist absurd: Niemand bindet jemandem einen Bären auf. Genau diese Absurdität hat die Wendung merkfähig gemacht.
Die andere Erklärung
Gelegentlich wird auf eine Wirtshausgeschichte verwiesen: Ein Gast habe seine Zeche nicht zahlen können und dem Wirt weisgemacht, er werde einen Bären als Pfand bringen. Belegt ist das nicht und gilt als nachträgliche Erklärung für ein Bild, das sonst keinen Sinn ergibt.
Verwandte Ausdrücke
- Ein Märchen auftischen – dasselbe, ohne das schiefe Bild
- Jemanden an der Nase herumführen – täuschen, aber über längere Zeit
- Jemandem etwas vom Pferd erzählen – umgangssprachlich, gleiche Bedeutung
- Seemannsgarn spinnen – aufschneiden, ohne Täuschungsabsicht
Beispiele
„Das mit dem Lottogewinn war ein Bär, den er uns aufgebunden hat.“
„Lass dir keinen Bären aufbinden.“
„Sie merkte zu spät, dass man ihr einen Bären aufgebunden hatte.“
Häufige Fragen
Ist es eine Redewendung oder ein Sprichwort?
Eine Redewendung. Sprichwörter sind vollständige Sätze mit einer Lebensweisheit.
Seit wann gibt es sie?
Sie ist seit dem 17. Jahrhundert schriftlich belegt.
Hat sie mit „einen Bären anbinden“ zu tun?
Ja. Die ältere Wendung „einen Bären anbinden“ bedeutete, Schulden zu machen – dieselbe Wortwurzel, dieselbe Vorstellung von einer aufgebürdeten Last.
Quellen
Geschrieben von Bella, Redaktion sprichwortatlas.de — sie schreibt hier über Redewendungen und ihre Herkunft.






