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Kurzantwort: „Butter bei die Fische!“ bedeutet: Komm zur Sache, rede Klartext, mach keine halben Sachen. Die Redewendung stammt aus Norddeutschland. Dort wurde die Butter erst kurz vor dem Essen auf den heißen Fisch gegeben. Erst mit der Butter war das Gericht komplett. Der Sprachforscher Heinz Küpper datiert die Entstehung auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Grammatik „bei die“ stammt aus dem Plattdeutschen.
Eine Sitzung zieht sich, alle reden um den heißen Brei herum. Dann sagt jemand: „So, jetzt aber mal Butter bei die Fische.“ Alle wissen, was gemeint ist: Schluss mit dem Drumherum, her mit den Fakten.
Die Wendung klingt nach Küche und nach Küste. Beides stimmt. Sie kommt aus dem norddeutschen Alltag und hat sich von dort über das ganze Land verbreitet, bis in den Bundestag.
Viele stolpern über die Grammatik. „Bei die Fische“ ist im Hochdeutschen falsch. Warum die Wendung trotzdem so heißt, erklärt ihre Herkunft.
Was „Butter bei die Fische“ bedeutet
Der Duden führt die Wendung als landschaftlich und erklärt sie so: Die Angelegenheit muss jetzt richtig geklärt werden, es darf nichts zurückgehalten werden. Der Redensarten-Index nennt für „Butter bei die Fische geben“: zur Sache kommen, Klartext reden, die Wahrheit sagen, aber auch etwas einbringen, einsetzen, anpacken.
Wikipedia unterscheidet drei Bedeutungen:
- Zur Sache kommen: die häufigste Verwendung. „Jetzt mal Butter bei die Fische: Was kostet das?“
- Keine halben Sachen machen: etwas vollständig erledigen.
- Erst Zahlung, dann Ware: eine Vergütung im Voraus einfordern.
Die Herkunft: Butter auf dem heißen Fisch
In Norddeutschland wird gebratener oder gebackener Fisch traditionell mit Butter abgeschmeckt. Die Butter kommt erst kurz vor dem Essen auf den heißen Fisch, damit sie beim Servieren nicht schon zerlaufen ist. Erst mit der Butter ist das Gericht fertig. Wer die Butter weglässt, serviert eine halbe Sache. Aus diesem Bild wurde die Aufforderung, endlich das Entscheidende zu liefern.
Butter als Luxus
Butter war lange ein teures Lebensmittel. Wikipedia zufolge konnten sich viele Menschen die Zugabe zum Fisch nicht leisten. Wer Butter zum Fisch anbot, sparte nicht am Wichtigsten. Wer sie wegließ, knauserte. In der Hansezeit soll die Frage „Hat he denn ok Butter bi de Fische?“ eine Frage nach der Zahlungsfähigkeit eines Kunden gewesen sein. Wer Butter bei den Fischen hatte, galt als wohlhabend.
Wann die Wendung entstand
Der Linguist Heinz Küpper, Verfasser des „Wörterbuchs der deutschen Umgangssprache“, datiert die Entstehung laut Wikipedia auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ältere Belege liegen in den genannten Quellen nicht vor. Die Geschichte von der Hansezeit ist also eine Überlieferung, kein datierter Textbeleg.
Warum „bei die“ und nicht „bei den“?
Im Standarddeutschen verlangt „bei“ den Dativ: bei den Fischen. Die Wendung sagt „bei die Fische“, also Akkusativ. Der Grund ist das Plattdeutsche. Dort hieß es „Butter bi de Fische“. Das plattdeutsche „de“ ist ein Artikel für alle Fälle. Als die Wendung ins Hochdeutsche wanderte, wurde aus „de“ ein „die“, und der Fehler blieb hängen. Wikipedia beschreibt genau diesen Weg.
Im Rheinland, wo die Wendung ebenfalls verbreitet ist, sagt man bis heute „Butter bei de Fische“, manchmal auch „bei de Fisch“ im Singular. Wer die Wendung „korrigiert“ und „Butter bei den Fischen“ sagt, zerstört den Witz. Sie lebt von ihrer Mundart.
So benutzt du „Butter bei die Fische“ heute
Die Wendung ist Umgangssprache, aber salonfähig. Der Redensarten-Index zitiert Beispiele aus Politik und Presse. Ein Abgeordneter forderte im Bundestag: „Lassen Sie uns gemeinsam Butter bei die Fische geben.“ Ein Fraktionschef verlangte von Bundeskanzler Olaf Scholz, „als aufrechter Hanseat“ solle er Butter bei die Fische geben. Eine Stadtverwaltung, die 96 Maßnahmen konkret auflistete, bekam die Überschrift: „Verwaltung gibt Butter bei die Fische.“
Beispiele aus dem Alltag:
- „Genug Vorrede. Butter bei die Fische: Nehmt ihr das Angebot an oder nicht?“
- „Der Makler redet seit zehn Minuten über die Lage. Ich will Butter bei die Fische, also den Preis.“
- „Wenn du das Projekt machst, dann richtig. Butter bei die Fische.“
Üblich sind die Formen „Butter bei die Fische!“ als Ausruf und „Butter bei die Fische geben“ als Verb. Seltener liest du „Butter an die Fische“.
Die Wendung ist inzwischen selbst ein Titel. Wikipedia nennt eine Videoreihe des SV Werder Bremen, ein Lied der Band Versengold und das Buch „Butter bei die Fische: Wie das Meer in unsere Sprache floss“ von Rolf-Bernhard Essig, das 2010 im Mareverlag erschien. Alle drei setzen darauf, dass jeder in Deutschland die Wendung sofort versteht.
Verwandte Redewendungen
Mit der Butter hat das Deutsche noch mehr im Angebot. „Alles in Butter“ heißt: alles in Ordnung. „Sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“ heißt laut Duden: sich nichts gefallen lassen. „Jemandem nicht die Butter auf dem Brot gönnen“ beschreibt Missgunst. Und „Butter auf dem Kopf haben“ heißt in Süddeutschland und Österreich: ein schlechtes Gewissen haben.
Dieselbe Aufforderung wie „Butter bei die Fische“ steckt in „Tacheles reden“, „Klartext reden“ und „zur Sache kommen“. Im Englischen passt „let’s get down to brass tacks“.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Butter bei die Fische“?
Komm zur Sache, rede Klartext, mach keine halben Sachen.
Woher kommt die Redewendung?
Aus der norddeutschen Küche. Die Butter kam erst kurz vor dem Essen auf den heißen Fisch. Ohne Butter war das Gericht unvollständig.
Warum heißt es „bei die“ und nicht „bei den“?
Weil die Wendung aus dem Plattdeutschen stammt: „Butter bi de Fische“. Beim Übergang ins Hochdeutsche wurde aus „de“ ein „die“.
Seit wann gibt es die Wendung?
Heinz Küpper datiert sie auf die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Ist „Butter bei die Fische“ Hochdeutsch?
Nein, es ist landschaftliche Umgangssprache. Sie wird aber in ganz Deutschland verstanden und auch in Parlamentsreden gebraucht.
Was ist der Unterschied zu „alles in Butter“?
„Alles in Butter“ stellt fest, dass alles in Ordnung ist. „Butter bei die Fische“ fordert auf, zur Sache zu kommen.
Quellen
- Wikipedia — Butter bei die Fische
- Duden — Butter, Wendungen und Redensarten
- Redensarten-Index — Butter bei die Fische geben
Geschrieben von Mira, Redaktion sprichwortatlas.de — sie erklärt hier Redewendungen, ihre Herkunft und ihren Gebrauch.






