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Kurzantwort: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ bedeutet: Wem ein Missgeschick passiert, der wird obendrein noch ausgelacht. Der Spott stellt sich von selbst ein, niemand muss ihn organisieren. Das Sprichwort war laut Redensarten-Index in abgewandelter Form schon im Mittelalter bekannt. Martin Luther gebrauchte es in der Form „Wer den Schaden hat, darf für das Gespötte nicht sorgen“.
Ein Fußballprofi reißt sich beim Torjubel das Kreuzband. Eine Bank meldet einen Milliardenverlust und wird im Netz verhöhnt. Ein Geheimdienst hat im Neubau einen Wasserschaden, und Twitter lacht. In allen drei Fällen schrieb die Presse denselben Satz: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Das Sprichwort beschreibt eine Erfahrung, die jeder kennt. Pech kommt selten allein. Auf das Missgeschick folgt das Gelächter der anderen, und zwar ohne dass jemand es bestellen müsste.
Die Formulierung klingt umständlich. „Für etwas sorgen“ heißt hier: sich um etwas kümmern, etwas herbeischaffen. Um den Spott muss sich der Geschädigte nicht kümmern. Der kommt von allein.
Was das Sprichwort bedeutet
Wiktionary erklärt es so: Nach einem Unfall, einem Missgeschick oder Pech muss man auch noch ertragen, von anderen ausgelacht zu werden. Der Redensarten-Index formuliert: Dem persönlichen Unglück schließt sich häufig noch die Frotzelei der anderen an. Wer Pech hat, über den macht man sich oft auch noch lustig.
Der Satz hat zwei Tonlagen. Er kann Mitleid ausdrücken: Der Arme, jetzt lachen sie auch noch über ihn. Er kann aber auch Häme rechtfertigen: Selbst schuld, da darf man lachen. Der Redensarten-Index zitiert ein Beispiel für die zweite Lesart: Jemand nimmt den Mund zu voll, verkündet, etwas sei kein Problem, und dann geht alles schief. „In so einem Fall sparen die lieben Mitmenschen selten mit Spott.“
Die Herkunft: von Luther bis Wander
Einen einzelnen Urheber hat das Sprichwort nicht. Es gehört zum alten Bestand der deutschen Volkssprache.
Im Mittelalter und bei Luther
Der Redensarten-Index gibt an, das Sprichwort sei in abgewandelter Form schon im Mittelalter bekannt gewesen. Martin Luther benutzte es im 16. Jahrhundert in der Form: „Wer den Schaden hat, darf für das Gespötte nicht sorgen.“ Das Wort „Gespötte“ ist die ältere Form von „Spott“. Wo genau bei Luther der Satz steht, nennt der Redensarten-Index nicht.
In den Sprichwörtersammlungen
Karl Friedrich Wilhelm Wander nahm das Sprichwort in sein „Deutsches Sprichwörter-Lexikon“ auf, das zwischen 1867 und 1880 in fünf Bänden erschien. Wiktionary verweist auf diesen Eintrag. Seit dem 19. Jahrhundert ist die heutige Form „braucht für den Spott nicht zu sorgen“ die übliche.
Was nicht belegt ist
Manche Ratgeberseiten behaupten, das Sprichwort stamme aus einem bestimmten Werk oder aus einer bestimmten Stadt. Dafür gibt es in Duden, Wiktionary und Redensarten-Index keinen Beleg. Wer eine genaue Quelle nennt, sollte sie auch zeigen können.
Grammatik und Varianten
Die Standardform lautet: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Daneben liest du:
- „Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen“ mit eingeschobenem „bekanntlich“ oder „natürlich“
- „Wer den Schaden hat, hat auch den Spott“ als verkürzte Alltagsform
- „Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen“ nach Luthers Vorbild
Der Nebensatz „wer den Schaden hat“ steht voran, der Hauptsatz folgt. Zwischen „hat“ und „braucht“ steht ein Komma, weil dort der Nebensatz endet.
So benutzt du das Sprichwort heute
Das Sprichwort ist Standardsprache und passt in Zeitungstexte ebenso wie ins Gespräch. Wiktionary sammelt Belege aus den Medien der letzten Jahre:
- 2014 schrieb das Schweizer Radio und Fernsehen über Uli Hoeneß, als der Bayern-Präsident wegen Steuerhinterziehung vor Gericht stand: „Das Netz lacht über Hoeness – Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“
- 2017 kommentierte die Deutsche Welle den Kreuzbandriss des HSV-Spielers Nicolai Müller, den er sich beim Torjubel zugezogen hatte, mit demselben Satz.
- 2019 nahm der Stern die Ajax-Fans aufs Korn, die Sergio Ramos nach dessen Fehltritt verspotteten.
Im Alltag klingt das so: „Er hat drei Wochen lang mit seinem neuen Auto angegeben und es dann beim Ausparken an der Garage geschrammt. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“
Warum wir über fremdes Pech lachen
Das Sprichwort benennt eine unangenehme Wahrheit. Der Schaden allein wäre schon genug. Das Gelächter macht ihn schlimmer. Besonders hart trifft es Leute, die vorher großspurig waren. Bei ihnen wirkt der Spott wie eine Quittung.
Ein Tipp für den Umgang: Wer selbst über sein Missgeschick lacht, nimmt den anderen den Wind aus den Segeln. Der Spott braucht ein Opfer, das sich wehrt. Wer mitlacht, ist keins.
Verwandte Sprichwörter
„Ein Unglück kommt selten allein“ beschreibt, dass sich Pech häuft. „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ dreht die Perspektive um: Der Verspottete kann am Ende Recht behalten. „Schadenfreude ist die schönste Freude“ benennt das Motiv der Lacher offen. Und „Hochmut kommt vor dem Fall“ erklärt, warum der Spott bei Angebern besonders laut ausfällt.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“?
Wem etwas schiefgeht, der wird zusätzlich ausgelacht. Der Spott kommt von selbst.
Woher stammt das Sprichwort?
Aus der Volkssprache. Es war laut Redensarten-Index schon im Mittelalter in ähnlicher Form bekannt. Luther gebrauchte es als „Wer den Schaden hat, darf für das Gespötte nicht sorgen“.
Was heißt „für den Spott sorgen“?
Sich um den Spott kümmern, ihn herbeischaffen. Das muss der Geschädigte nicht tun, weil die anderen es übernehmen.
Ist das Sprichwort gemein?
Es kann mitfühlend oder hämisch gemeint sein. Der Ton entscheidet.
Gibt es das Sprichwort auch auf Englisch?
Eine wörtliche Entsprechung führen Wiktionary und Redensarten-Index nicht. Sinngemäß passt „to add insult to injury“, zur Verletzung kommt die Beleidigung.
Wie schreibt man das Sprichwort richtig?
„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Mit Komma nach „hat“ und mit „zu sorgen“ am Ende.
Quellen
- Wiktionary — wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen
- Redensarten-Index — Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen
Geschrieben von Mira, Redaktion sprichwortatlas.de — sie erklärt hier Redewendungen, ihre Herkunft und ihren Gebrauch.






