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Kurzantwort: „Alle guten Dinge sind drei“ sagst du, wenn etwas beim dritten Anlauf klappen soll oder wenn drei von etwas genau richtig sind. Das Sprichwort stammt aus dem alten germanischen Recht: Das „Ding“ oder „Thing“ war die Gerichtsversammlung. Sie tagte dreimal im Jahr, und ein Angeklagter wurde dreimal geladen, bevor er in Abwesenheit verurteilt werden konnte. Die ältere Form lautet „Aller guten Dinge sind drei“.
Wer zweimal durch die Fahrprüfung gefallen ist, hört von Freunden meist denselben Satz: „Mach dir keine Sorgen, aller guten Dinge sind drei.“ Der Satz tröstet und rechtfertigt zugleich. Er verspricht, dass der dritte Versuch der richtige ist.
Kaum ein deutsches Sprichwort wird so oft zitiert. Der Redensarten-Index stuft es mit der höchsten Häufigkeitsstufe ein. Es steht auf Werbeplakaten, in Sportberichten und in Märchen.
Die Herkunft überrascht: Mit „Dingen“ im heutigen Sinn hat der Satz ursprünglich nichts zu tun. Das „Ding“ war ein Gericht.
Was „alle guten Dinge sind drei“ bedeutet
Wiktionary erklärt das Sprichwort als Rechtfertigung dafür, dass etwas zum dritten Mal geschieht oder versucht wird. Der Redensarten-Index nennt zwei Verwendungen: Man sagt es, wenn etwas erst nach dem dritten Anlauf klappt, und man sagt es, wenn man die Zahl drei positiv hervorheben will.
Zwei Beispiele aus dem Redensarten-Index zeigen beide Fälle. Ein Turnverein scheiterte zweimal und schaffte es im dritten Anlauf: „Aller guten Dinge sind drei.“ Und die Bundesagentur für Arbeit bewarb drei Apps mit demselben Satz.
Die Herkunft: das Thing und die dreifache Ladung
Das Wort „Ding“ bedeutete im Mittelalter etwas anderes als heute. „Thing“ oder „Ding“ hieß bei den Germanen die Volks-, Heeres- und Gerichtsversammlung. Dort wurde Recht gesprochen. Wiktionary, Wikipedia und der Redensarten-Index führen das Sprichwort übereinstimmend auf diese Versammlung zurück.
Zwei Regeln des alten Rechts erklären die Drei. Erstens wurde das Thing dreimal im Jahr gehalten. Zweitens musste ein Angeklagter dreimal geladen werden. Erschien er auch beim dritten Mal nicht, konnte das Gericht ihn in Abwesenheit verurteilen. Wer dreimal nicht kam, hatte seine Chancen verspielt. Wikipedia verweist dafür auf das „Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte“.
Vom Gericht zum Gegenstand
Mit dem Aufkommen des Feudalstaats zerfielen die alten Volksversammlungen. Die Bedeutung von „Ding“ verschob sich. Laut Redensarten-Index meinte das Wort schon im 14. Jahrhundert eine „Sache, die nicht näher benannt wird“, ursprünglich eine Rechtssache. Daraus wurde unser heutiges „Ding“. Die alte Bedeutung steckt noch in „dingfest machen“, also verhaften, und im Wort „Thing“ selbst, das in Skandinavien bis heute Parlamente bezeichnet.
Die Grimms und das Wörterbuch
Die Brüder Grimm benutzten die Wendung im Märchen „Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“. In ihrem Deutschen Wörterbuch von 1854 führen sie das Sprichwort als „alle gute ding sind drei“. Wiktionary zitiert die Märchenstelle: „Der Sack ist wohl mit lauter Edelsteinen angefüllt; den sollte ich billig auch noch haben, denn aller guten Dinge sind drei.“
Warum die Drei so beliebt ist
Das Recht erklärt den Ursprung. Die Verbreitung erklärt es nur zum Teil. Der Redensarten-Index weist darauf hin, dass die Zahl Drei in Zahlensymbolik, Volksbräuchen, Mythologie und Religion eine große Rolle spielt. Die Bibel kennt die Heiligen Drei Könige und die Dreifaltigkeit. Märchen arbeiten mit drei Brüdern, drei Wünschen, drei Prüfungen. Wer dreimal etwas sagt, wirkt vollständig. Das Sprichwort passt in dieses Muster und wurde deshalb so gern übernommen.
„Alle“ oder „aller“ guten Dinge?
Die ältere und grammatisch vollständige Form heißt „Aller guten Dinge sind drei“. Das ist ein Genitiv: „Von allen guten Dingen gibt es drei.“ Die Form „Alle guten Dinge sind drei“ ist laut Wiktionary eine Nebenform und heute die häufigere. Beide sind korrekt. Wenn du es besonders genau nehmen willst, nimm „aller“.
So benutzt du das Sprichwort heute
- Vor dem dritten Versuch: „Zwei Bewerbungen sind abgelehnt. Aller guten Dinge sind drei, ich schreibe noch eine.“
- Bei drei Exemplaren: „Drittes Kind, dritter Umzug, dritter Hund: Alle guten Dinge sind drei.“
- Als Titel: Sportberichte über den dritten Titel in Folge, Produkttrios, Jubiläen.
Das Gegenstück gibt es auch. Wiktionary nennt als Gegenwort: „Drei sind einer zu viel.“
Andere Redewendungen mit der Drei
Die Drei steckt in vielen weiteren Wendungen. „Drei Kreuze machen“ heißt, erleichtert zu sein, wenn etwas vorbei ist. Wer „nicht bis drei zählen kann“, gilt als einfältig. Ein „Dreikäsehoch“ ist ein kleines Kind. Und wer „im Dreieck springt“, ist außer sich vor Wut. Keine dieser Wendungen hat mit dem Thing zu tun. Sie zeigen nur, wie fest die Drei in der Sprache sitzt.
Das Sprichwort in anderen Sprachen
Fast jede Sprache hat ihre Drei. Im Englischen heißt es „third time’s a charm“ oder „all good things come in threes“. Die Franzosen sagen „jamais deux sans trois“, niemals zwei ohne drei. Die Niederländer sagen „drie maal is scheepsrecht“, dreimal ist Seerecht. Im Italienischen heißt es „non c’è due senza tre“, und im Polnischen „do trzech razy sztuka“, beim dritten Mal gelingt das Kunststück.
Häufige Fragen
Was bedeutet „alle guten Dinge sind drei“?
Ein dritter Versuch oder eine Dreizahl wird als richtig und glückbringend hingestellt.
Woher kommt das Sprichwort?
Aus dem germanischen Recht. Das „Ding“ oder „Thing“ war die Gerichtsversammlung. Sie tagte dreimal im Jahr, und ein Angeklagter wurde dreimal geladen.
Heißt es „alle“ oder „aller“ guten Dinge?
Beides ist korrekt. „Aller guten Dinge sind drei“ ist die ältere Genitivform, „alle“ die heute häufigere Nebenform.
Seit wann ist das Sprichwort belegt?
Die Brüder Grimm führen es 1854 in ihrem Deutschen Wörterbuch und verwenden es in ihren Märchen. Der Rechtsbrauch dahinter ist deutlich älter.
Wie heißt das Sprichwort auf Englisch?
„Third time’s a charm“ oder „all good things come in threes“.
Was bedeutet „Ding“ in diesem Sprichwort?
Ursprünglich die Gerichts- und Volksversammlung, das Thing. Erst später verschob sich das Wort zu „Sache“ oder „Gegenstand“.
Quellen
- Wiktionary — aller guten Dinge sind drei
- Wikipedia — Liste geflügelter Worte/A: Aller guten Dinge sind drei
- Redensarten-Index — Aller guten Dinge sind drei
Geschrieben von Mira, Redaktion sprichwortatlas.de — sie erklärt hier Redewendungen, ihre Herkunft und ihren Gebrauch.






