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Kurz gesagt: „Einen Kater haben“ bedeutet, unter den Nachwirkungen von zu viel Alkohol zu leiden. Der Ausdruck geht nicht auf das Tier zurück, sondern auf Katarrh – ein medizinischer Begriff für Schleimhautentzündung, den Leipziger Studenten im 19. Jahrhundert scherzhaft umdeuteten.
Die Redewendung ist so alltäglich, dass kaum jemand über das Bild nachdenkt. Warum ausgerechnet ein Kater?
Die Herkunft: vom Katarrh zum Kater
Im 19. Jahrhundert war Katarrh ein geläufiger Ausdruck für eine Entzündung der Schleimhäute – trockener Mund, dumpfer Kopf, allgemeines Elend. Genau die Symptome, die man nach durchzechter Nacht hat.
Im Leipziger Studentenjargon wurde daraus in sächsischer Aussprache der Kater. Aus „einen Katarrh haben“ wurde „einen Kater haben“. Der Sprachwitz lag darin, dass die Beschwerden nach dem Trinken denen einer Erkältung ähneln – nur dass die Ursache eine andere ist.
Der Ausdruck verbreitete sich von den Universitäten aus und war um 1900 allgemein bekannt.
Warum die Erklärung mit der Katze falsch ist
Gelegentlich liest man, der Ausdruck komme vom „Katzenjammer“ oder vom jämmerlichen Laut einer Katze. Das ist eine nachträgliche Deutung.
Katzenjammer ist tatsächlich ein eigener, älterer Ausdruck für dasselbe Gefühl – dort steckt die Katze wirklich drin. Beide Wörter existierten nebeneinander, und weil sie sich ähneln, wurden sie später vermischt. Der Kater aber stammt vom Katarrh.
Was im Körper passiert
Die Beschwerden entstehen vor allem durch Flüssigkeitsmangel: Alkohol hemmt ein Hormon, das die Wasserausscheidung reguliert, weshalb der Körper mehr Flüssigkeit verliert, als zugeführt wird. Dazu kommen Abbauprodukte wie Acetaldehyd und bei manchen Getränken Begleitstoffe, die sogenannten Fuselalkohole. Sie sind der Grund, warum dunkle Spirituosen und Rotwein oft schlechter vertragen werden als klare.
Verwandte Ausdrücke
- Katzenjammer – dasselbe Gefühl, älterer Ausdruck, heute auch im übertragenen Sinn für Ernüchterung nach einer Enttäuschung
- Brummschädel – bezieht sich nur auf den Kopfschmerz
- Restalkohol – der messbare Teil, nicht das Gefühl
- Hangover – die englische Entsprechung, wörtlich das Überhängen
Beispiele
„Nach der Feier hatte er einen ordentlichen Kater.“
„Der Kater am Neujahrsmorgen ist eine feste Tradition.“
Übertragen wird die Wendung auch außerhalb des Alkohols gebraucht: Vom „Wahlkater“ spricht man, wenn nach einem Wahlsieg die Ernüchterung folgt.
Was im Körper wirklich passiert
Alkohol hemmt ein Hormon, das die Wasserausscheidung in der Niere bremst. Dadurch wird mehr Flüssigkeit ausgeschieden, als getrunken wurde, und mit ihr Natrium, Kalium und Magnesium. Kopfschmerzen und Schwäche gehen zu einem Teil darauf zurück.
Hinzu kommt der Abbau selbst: Aus Alkohol entsteht zunächst Acetaldehyd, ein Zwischenprodukt, das erst danach weiter abgebaut wird. Reichert es sich an, verstärkt es Übelkeit und Herzrasen. Menschen mit langsamem Abbau spüren das besonders stark.
Drittens stört Alkohol den Schlaf: Man schläft schneller ein, aber die zweite Nachthälfte wird unruhig und die Erholung bleibt aus. Genau daraus entsteht die Erschöpfung am Morgen. Alle drei Wirkungen zusammen ergeben das Beschwerdebild.
Was tatsächlich hilft
Belegt wirksam ist im Wesentlichen Zeit, weil der Körper den Alkohol mit einer festen Geschwindigkeit abbaut. Etwa 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde sind üblich, unabhängig von Kaffee, Bewegung oder kalten Duschen. Diese Rate lässt sich nicht beschleunigen.
Sinnvoll sind ausreichend Wasser und eine salzhaltige Mahlzeit, um Flüssigkeit und Salze zu ersetzen. Auch Schlaf hilft. Beides lindert die Beschwerden, verkürzt aber nicht den Abbau.
Von Schmerzmitteln mit Paracetamol wird abgeraten, weil Leber und Alkoholabbau bereits belastet sind. Präparate mit Ibuprofen belasten den Magen. Im Zweifel klärt das die Apotheke.
Was nicht hilft
Das sogenannte Konterbier verzögert den Abbau nur, weil zusätzlicher Alkohol zuerst verarbeitet wird. Die Beschwerden werden dadurch aufgeschoben, nicht beseitigt. Fachleute raten ausdrücklich davon ab.
Auch Kaffee macht wacher, ändert aber nichts am Alkoholspiegel. Wer sich dadurch fahrtüchtig fühlt, täuscht sich. Die Promille bleiben unverändert.
Für die zahlreichen als Katerhelfer beworbenen Mittel gibt es keine überzeugende Studienlage. Verbraucherzentralen weisen regelmäßig darauf hin. Sie dürfen zudem keine Heilversprechen tragen.
Wann es mehr ist als ein Kater
Bewusstlosigkeit, wiederholtes Erbrechen, sehr langsame Atmung, Krampfanfälle oder Unterkühlung sind Zeichen einer Alkoholvergiftung. Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Betroffene dürfen nicht allein gelassen werden.
Wer regelmäßig trinkt und Entzugserscheinungen wie Zittern oder Schwitzen bemerkt, sollte ärztlichen Rat suchen. Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis und Suchtberatungsstellen. Beratung gibt es auch anonym.
Kostenfreie Hilfe bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter der Nummer 0800 1 37 27 00. Angehörige können sich dort ebenfalls melden. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Woher das Wort Kater kommt
Mit dem Tier hat die Wendung vermutlich nichts zu tun. Verbreitet ist die Herleitung aus dem Wort Katarrh für eine Schleimhautentzündung, das in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts zu Kater verballhornt wurde. Belegt ist der Ausdruck aus dem Leipziger Studentenmilieu.
Eine konkurrierende Deutung verweist auf den Begriff Katzenjammer, der älter ist und dasselbe beschreibt. Auch dort steckt das Tier nur im Bild. Beide Erklärungen stehen nebeneinander.
Im Englischen heißt der Zustand hangover, im Französischen gueule de bois, also hölzernes Maul. Jede Sprache hat ein eigenes Bild gefunden. Ein gemeinsamer Ursprung besteht nicht.
Wie sich Beschwerden vorbeugen lassen
Am wirksamsten ist, weniger zu trinken und zwischendurch Wasser einzuschieben. Auch eine Mahlzeit vorher verlangsamt die Aufnahme. Beides ist gut belegt.
Unterschiedliche Getränke wirken verschieden stark, weil dunkle Sorten mehr Begleitstoffe enthalten. Der Effekt ist messbar, aber klein gegenüber der Menge. Entscheidend bleibt der Alkohol selbst.
Häufige Fragen
Ist „einen Kater haben“ eine Redewendung oder ein Sprichwort?
Eine Redewendung. Sprichwörter sind vollständige Sätze mit einer Lebensweisheit, Redewendungen sind feste Wortgruppen im Satz.
Sagt man auch „einen Kater schieben“?
Regional ja, gebräuchlicher ist haben.
Woher kommt „Katerfrühstück“?
Aus derselben Wortfamilie. Gemeint ist ein herzhaftes, salziges Frühstück gegen die Nachwirkungen – Rollmops, saure Gurken, Brühe.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Stein im Brett haben: Bedeutung und Herkunft der Redewendung
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Geschrieben von Bella, Redaktion sprichwortatlas.de — sie schreibt hier über Redewendungen und ihre Herkunft.






