Tomaten auf den Augen haben: Bedeutung und Herkunft

Kurz gesagt: „Tomaten auf den Augen haben“ heißt, etwas Offensichtliches nicht zu bemerken. Die Herkunft ist nicht sicher belegt – am ehesten geht das Bild auf die Farbe zurück: Wer übernächtigt ist, hat rote Augen und sieht schlecht.

Anders als bei vielen Redewendungen gibt es hier keine gesicherte Quelle, dafür mehrere plausible Erklärungen.

Was sie bedeutet

Gemeint ist Blindheit für das Naheliegende – der Schlüssel liegt auf dem Tisch, die Antwort steht im ersten Absatz, und man sieht es nicht.

„Hast du Tomaten auf den Augen? Das steht doch da.“

Der Ton ist vorwurfsvoll, aber nicht bösartig. Meist wird die Wendung unter Vertrauten gebraucht.

Die Erklärungsversuche

Die Farbe. Wer zu wenig geschlafen oder zu viel getrunken hat, bekommt rote Augen – und sieht schlechter. Rote Augen und rote Tomaten liegen im Bild nah beieinander. Das ist die verbreitetste Deutung.

Die Größe. Eine Tomate auf dem Auge würde die Sicht vollständig versperren. Das Bild wäre absurd, funktioniert aber genau deshalb – wie beim Kind, das mit dem Bade ausgeschüttet wird.

Die Strafe. Gelegentlich wird auf einen angeblichen Brauch verwiesen, bei dem Verurteilte mit Tomaten beworfen wurden. Belege dafür gibt es nicht, und Tomaten kamen in Europa erst im 16. Jahrhundert an – zu spät für die meisten mittelalterlichen Bräuche.

Die Wendung ist erst seit dem 20. Jahrhundert breit belegt, was gegen einen sehr alten Ursprung spricht.

Verwandte Ausdrücke

  • Ein Brett vor dem Kopf haben – nicht begreifen statt nicht sehen
  • Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen – das Offensichtliche übersehen, weil zu viel im Weg ist
  • Auf dem Schlauch stehen – momentane Denkblockade
  • Betriebsblind sein – Fehler im Vertrauten nicht mehr bemerken

Der Unterschied zum Brett vor dem Kopf

Beide Wendungen klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes. Tomaten auf den Augen betrifft das Sehen – etwas ist da und wird übersehen. Ein Brett vor dem Kopf betrifft das Verstehen – etwas ist erklärt und wird nicht begriffen.

Beispiele

„Die Datei lag auf dem Desktop – ich hatte Tomaten auf den Augen.“

„Der Schiedsrichter hatte Tomaten auf den Augen.“

„Wer das übersieht, hat Tomaten auf den Augen.“

Häufige Fragen

Ist es eine Redewendung oder ein Sprichwort?

Eine Redewendung. Sprichwörter sind vollständige Sätze mit einer Lebensweisheit.

Warum ausgerechnet Tomaten?

Am ehesten wegen der Farbe. Eine gesicherte Erklärung gibt es nicht.

Gibt es die Wendung in anderen Sprachen?

In dieser Form nicht. Das Englische kennt to be blind as a bat, ein ganz anderes Bild.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion sprichwortatlas.de — sie schreibt hier über Redewendungen und ihre Herkunft.

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