Haare auf den Zähnen haben: Bedeutung und Herkunft

Kurz gesagt:Haare auf den Zähnen haben“ beschreibt jemanden, der sich energisch durchsetzt und scharfzüngig antwortet. Die Wendung geht auf den alten Volksglauben zurück, nach dem starke Körperbehaarung für Kraft und Wehrhaftigkeit stand.

Das Bild ist anatomisch unmöglich – und genau das macht es wirksam.

Was sie bedeutet

Gemeint ist Durchsetzungsvermögen, verbunden mit einer scharfen Zunge. Wer Haare auf den Zähnen hat, lässt sich nichts gefallen und antwortet schlagfertig.

„Bei ihr braucht man gute Argumente, die hat Haare auf den Zähnen.“

Der Ton ist zwiespältig: teils anerkennend, teils warnend.

Woher sie kommt

Im Volksglauben galt Körperbehaarung als Zeichen von Kraft. Ein bärtiger, behaarter Mann wirkte stark; Haarlosigkeit stand für Schwäche. Die Vorstellung findet sich auch in der Simson-Erzählung des Alten Testaments, in der die Kraft im Haar sitzt.

Haare an einer Stelle, wo eigentlich keine wachsen, steigerten das Bild ins Übermäßige. Wer Haare sogar auf den Zähnen hat, ist demnach besonders wehrhaft.

Belegt ist die Wendung im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert.

Warum sie meist auf Frauen gemünzt wird

Historisch wurde sie fast ausschließlich für Frauen gebraucht – und abwertend. Eine Frau, die widersprach, verletzte die Erwartung an ihr Verhalten; das Bild der unweiblichen Behaarung machte den Vorwurf sichtbar.

Heute ist der Gebrauch differenzierter. Die Wendung wird auch anerkennend benutzt und gelegentlich auf Männer bezogen, der historische Beigeschmack ist damit aber nicht verschwunden.

Verwandte Ausdrücke

  • Kein Blatt vor den Mund nehmen – offen reden, ohne den Kampfcharakter
  • Sich nichts gefallen lassen – neutral
  • Ein rauer Geselle – dasselbe Bild für Männer
  • Zähne zeigen – Widerstand ankündigen

Beispiele

„Die neue Chefin hat Haare auf den Zähnen.“

„Er dachte, er kommt damit durch – sie hatte Haare auf den Zähnen.“

Häufige Fragen

Ist es eine Redewendung oder ein Sprichwort?

Eine Redewendung. Sprichwörter sind vollständige Sätze mit einer Lebensweisheit.

Ist die Wendung abwertend?

Sie war es historisch. Heute hängt es vom Ton ab; anerkennender Gebrauch ist verbreitet.

Gilt sie nur für Frauen?

Ursprünglich fast ausschließlich. Inzwischen wird sie auch auf Männer bezogen.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion sprichwortatlas.de — sie schreibt hier über Redewendungen und ihre Herkunft.

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