Die Daumen drücken: Bedeutung und Herkunft der Redewendung

Kurz gesagt: „Die Daumen drücken“ bedeutet, jemandem Glück zu wünschen. Die Geste – der Daumen wird von den anderen Fingern umschlossen – geht auf einen alten Aberglauben zurück, nach dem der Daumen als Sitz schädlicher Geister galt und festgehalten werden musste.

Fast jeder macht die Geste, kaum jemand kennt ihren Ursprung.

Was sie bedeutet

Gemeint ist die Anteilnahme an einer bevorstehenden Prüfung, Entscheidung oder Herausforderung. Anders als beim bloßen „Viel Glück“ schwingt mit, dass man selbst etwas beiträgt – und sei es symbolisch.

Gebraucht wird die Wendung sowohl wörtlich als auch nur sprachlich: Wer sagt „Ich drücke dir die Daumen“, muss die Faust nicht wirklich schließen.

Woher sie kommt

Die verbreitetste Erklärung führt in den germanischen Aberglauben. Der Daumen galt als der Finger mit der stärksten Kraft – er ist der einzige, der den anderen gegenübersteht, und ohne ihn lässt sich nichts greifen.

Zugleich galt er als Sitz von Wesen, die Unheil bringen konnten. Wer ihn in die Faust einschloss, hielt diese Kräfte fest und hinderte sie am Wirken. Aus dem Schutzzauber für sich selbst wurde später die Geste für andere.

Eine zweite Deutung verweist auf die Antike: Bei Gladiatorenkämpfen soll ein verborgener Daumen Gnade signalisiert haben, ein gezeigter den Tod. Historisch belastbar ist das nicht – die Bedeutung der Daumengesten in römischen Arenen ist umstritten.

Warum andere Länder die Finger kreuzen

Im englischsprachigen Raum heißt es keep your fingers crossed: Zeige- und Mittelfinger werden übereinandergelegt. Diese Geste hat einen anderen Ursprung – sie geht auf das Kreuzzeichen zurück und diente als Schutz oder als Entschuldigung für eine Notlüge.

Das Daumendrücken ist vor allem im deutschsprachigen Raum, in den Niederlanden und in Skandinavien verbreitet. Wer im Ausland die Faust mit eingeschlossenem Daumen zeigt, wird oft nicht verstanden.

Verwandte Wendungen

  • Hals- und Beinbruch – ebenfalls ein Glückwunsch, vermutlich aus dem Jiddischen entstellt
  • Toi, toi, toi – aus dem Theater, ursprünglich dreimaliges Ausspucken zur Abwehr
  • Den Daumen heben – Zustimmung, eine ganz andere Geste
  • Über den Daumen peilen – grob schätzen, ohne Bezug zum Glück

Beispiele

„Ich drücke dir für die Prüfung die Daumen.“

„Drückt uns die Daumen, wir brauchen das Ergebnis.“

„Alle Daumen sind gedrückt.“

Häufige Fragen

Ist es eine Redewendung oder ein Sprichwort?

Eine Redewendung. Sprichwörter sind vollständige Sätze mit einer Lebensweisheit, Redewendungen feste Wortgruppen im Satz.

Heißt es „Daumen drücken“ oder „Daumen halten“?

Beides ist gebräuchlich, drücken ist deutlich häufiger.

Woher weiß man, dass die Geste alt ist?

Sie ist in Sammlungen zum deutschen Aberglauben seit dem 19. Jahrhundert beschrieben. Eine genaue Datierung des Ursprungs gibt es nicht – wie bei den meisten Gesten.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion sprichwortatlas.de — sie schreibt hier über Redewendungen und ihre Herkunft.

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