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Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Ein Anarchist ist ein Anhänger des Anarchismus. Er lehnt Herrschaft von Menschen über Menschen ab und strebt eine Gesellschaft an, in der sich alle freiwillig und gleichberechtigt organisieren. Mit Chaos oder wahlloser Gewalt hat die Grundidee wenig zu tun.
Kurzantwort: Anarchist heißt wörtlich „jemand ohne Herrschaft“. Gemeint ist ein Mensch, der Hierarchien und staatlichen Zwang ablehnt und auf Freiwilligkeit setzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Duden: „Anhänger des Anarchismus“
- Wortherkunft: griechisch „anarchia“ für „Herrschaftslosigkeit“
- Anarchie und Chaos sind zwei verschiedene Dinge
- Bekannte Vertreter: Proudhon, Bakunin, Kropotkin, Goldman
Anarchist Bedeutung im Wörterbuch
Der Duden definiert den Anarchisten knapp als „Anhänger des Anarchismus“. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) nennt dieselbe Bedeutung und verweist auf die Wortfamilie: Anarchie, anarchisch, Anarchismus, Anarchist und anarchistisch.
Der Begriff selbst ist schon lange im Deutschen zu Hause. Das DWDS datiert „Anarchist“ auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Es kam wohl aus dem Französischen und entstand in der Zeit der Französischen Revolution. Die Endung „-ist“ kennzeichnet, wie bei Pianist oder Optimist, einen Anhänger einer Sache.
Herkunft: Was „Anarchie“ wörtlich heißt
Das Wort geht auf das griechische „anarchía“ zurück. Es setzt sich aus der Verneinung „an-“ und „arché“ zusammen. „Arché“ bedeutet „Herrschaft“ oder „Anfang“. Wörtlich übersetzt meint Anarchie also „Nicht-Herrschaft“.
Die Wörterbücher zeigen, dass sich der Sinn im Alltag verschoben hat. Das DWDS nennt für „Anarchie“ die Bedeutungen „Gesetzlosigkeit, politische Unordnung, Führungslosigkeit“. Die politische Lehre selbst versteht darunter etwas anderes: eine Ordnung ohne Zwang von oben.
Was Anarchisten wollen: Ziele des Anarchismus
Nach der Darstellung der Wikipedia lehnt der Anarchismus Herrschaft und jede Art von Hierarchie als Form der Unterdrückung ab. An ihre Stelle soll eine Gesellschaft treten, in der sich Menschen freiwillig und selbstbestimmt zusammenschließen. Als Bausteine gelten Kommunen, Genossenschaften und Syndikate.
Einigkeit über den Weg dorthin gibt es nicht. Die Bewegung ist sehr vielfältig, und ihre Strömungen streiten seit jeher über Eigentum, Organisation und Mittel. Das erklärt, warum ein Anarchist nach dem Duden zwar leicht zu beschreiben ist, seine Haltung im Einzelfall aber stark variiert.
Bekannte Anarchisten und ihre Ideen
Als erster bezeichnete sich Pierre-Joseph Proudhon selbst als Anarchist. In seinem Werk von 1840 stellte er die wesentlichen Elemente der Lehre zusammen. Bekannt wurde sein Satz „Eigentum ist Diebstahl“. Er meinte damit Besitz, der Einkommen ohne Arbeit ermöglicht.
| Person | Zuordnung |
|---|---|
| Proudhon | mutualistisch |
| Bakunin | kollektivistisch |
| Kropotkin | kommunistisch |
| Emma Goldman | kommunitärer Anarchismus |
| Gustav Landauer | sozialer Anarchismus |
Landauer und der Dichter Erich Mühsam beteiligten sich 1919 an der kurzlebigen Münchner Räterepublik. In Spanien entfaltete der Anarchismus im Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 seine größte Wirkung. Die Gewerkschaft CNT kontrollierte damals große Teile des Ostens.
Anarchie und Chaos: Ein verbreiteter Irrtum
Im Alltag fällt oft der Satz „Hier herrscht Anarchie“. Gemeint ist dann Durcheinander. Die Wikipedia weist darauf hin, dass diese Gleichsetzung in vielen Medien den eigentlichen Sinn verfälscht. Für gesellschaftliche Unordnung und Gesetzlosigkeit gebe es das Fachwort Anomie.
Kurzantwort: Chaos heißt Unordnung. Anarchie heißt Ordnung ohne Herrscher. Beide Begriffe werden im Alltag oft vermischt, meinen aber Verschiedenes.
Ähnlich verhält es sich bei vielen Wörtern, die im Sprachgebrauch ihre Bedeutung wandeln. Wer sich für solche Verschiebungen interessiert, findet in der Übersicht zur Sprichwort-Bedeutung weitere Beispiele.
Propaganda der Tat: Woher das Gewaltbild kommt
Ab den späten 1870er Jahren galten anarchistische Aktionen mit Vorbildcharakter als „Propaganda der Tat“. Sie sollten die Gesellschaft aufrütteln und Sympathien wecken. Manche Anhänger übten dabei Gewalt aus. Der Franzose Ravachol verübte Bombenanschläge und wurde hingerichtet.
Wegen der Häufung von Attentaten am Ende des 19. Jahrhunderts reduzierte die öffentliche Meinung den Anarchismus auf Terror. Laut Wikipedia hält sich diese Sicht bis heute. Sie trifft die Mehrheit der Strömungen nicht, die auf Gewerkschaften, Kommunen und Selbstverwaltung setzen.
Anarchist als Wort im heutigen Sprachgebrauch
Das DWDS beschreibt einen deutlichen Wandel. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts diente „Anarchist“ neben der abwertenden Fremdzuschreibung auch als Selbstbezeichnung. Ab den 1970er Jahren übertrug man das Wort auf Linksterroristen. Zugleich entstand das Kurzwort „Anarcho“ für Anhänger linker alternativer Gruppen.
Seit den 1990er Jahren verlieren beide Wörter nach Angaben des DWDS zunehmend an Präzision. Im Alltag nennt man deshalb auch Querdenker oder Regelbrecher „Anarchisten“, etwa den Kollegen, der jede Vorgabe ignoriert. Mit der politischen Lehre hat das nur noch am Rande zu tun.
Wer den Ausdruck bildhaft verwendet, sollte den Unterschied kennen. Ein Anarchist im Wortsinn hat eine durchdachte Gesellschaftsidee. Ein „Anarchist“ im Büro missachtet vor allem gern Regeln. Ähnliche Bildsprache begegnet in Redewendungen wie über den Tellerrand schauen, bei denen ebenfalls der Kontext die Bedeutung prägt.
Fazit
Ein Anarchist ist laut Duden ein Anhänger des Anarchismus. Die Lehre lehnt Herrschaft und Hierarchie ab und setzt auf freiwillige Zusammenschlüsse. Chaos und Gewalt gehören nicht zum Kern. Sie prägen vor allem das Bild in der Öffentlichkeit, das durch Attentate im 19. Jahrhundert entstand. Wer das Wort benutzt, sollte deshalb wissen, ob er die politische Idee oder nur einen Regelbrecher meint.
FAQ – Häufige Fragen
Was bedeutet Anarchist?
Ein Anarchist ist ein Anhänger des Anarchismus. Er lehnt Herrschaft von Menschen über Menschen ab und wünscht sich eine Gesellschaft freiwilliger Zusammenschlüsse.
Was bedeutet Anarchie wörtlich?
Das griechische „anarchia“ heißt „Herrschaftslosigkeit“. Das Wort setzt sich aus der Vorsilbe „an-“ für „ohne“ und „arché“ für „Herrschaft“ zusammen.
Ist Anarchie dasselbe wie Chaos?
Nein. Chaos beschreibt Unordnung. Anarchie meint eine Ordnung ohne Herrscher. Für den Zustand gesetzloser Unordnung nutzt die Fachsprache das Wort Anomie.
Sind Anarchisten gewalttätig?
Die meisten Strömungen setzen auf Selbstverwaltung und Gewerkschaftsarbeit. Gewalt spielte vor allem bei der „Propaganda der Tat“ im späten 19. Jahrhundert eine Rolle.
Wer gilt als erster Anarchist?
Pierre-Joseph Proudhon bezeichnete sich 1840 als Erster selbst als Anarchist. Sein Werk „Was ist das Eigentum?“ legte wichtige Grundgedanken fest.
Was bedeutet das Kreis-A?
Das eingekreiste A steht für „Anarchie“ und dient als Symbol der Bewegung. Es taucht auf Aufklebern, Fahnen und Wandbildern auf.
Was ist der Unterschied zwischen Anarchist und Anarcho?
„Anarcho“ entstand seit den 1970er Jahren als Kurzwort. Es bezeichnet im weiteren Sinn Anhänger linker alternativer Gruppen und ist meist umgangssprachlich.
Was ist Anarchosyndikalismus?
Diese Richtung will Beschäftigte in Gewerkschaften zusammenführen. Die spanische CNT zählte in den 1930er Jahren fast zwei Millionen Mitglieder.
Ist Anarchist ein Schimpfwort?
Das kommt auf den Zusammenhang an. Früher war es meist eine Fremdzuschreibung, ab dem späten 19. Jahrhundert auch eine Selbstbezeichnung. Heute klingt es oft abwertend.
Was ist mit „libertär“ gemeint?
Im deutschsprachigen Raum gilt „libertär“ bisweilen als Synonym für „anarchistisch“. Gemeint ist eine freiheitliche Haltung, die staatliche Eingriffe stark begrenzen will.
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Quellen

Ariane erklärt Technik so, wie sie es ihrer Mutter am Küchentisch erklären würde. Kurz, ohne Fachwörter, mit Beispiel.






