Inhalt
Kurzantwort: „Ein Fass aufmachen“ hat zwei Bedeutungen: ausgelassen feiern, meist mit Alkohol, oder ein Thema unnötig aufbauschen und daraus eine große Sache machen. Zur Herkunft gibt es zwei Erklärungen: eine geht auf mittelalterliche Nürnberger Brauer zurück, deren schlechtes Bier von der Stadtaufsicht ausgeschlagen wurde, die andere leitet den Ausdruck vom englischen „to make a fuss“ ab.
„Ein Fass aufmachen“ kann Lob und Tadel zugleich sein — je nachdem, ob gerade eine große Feier gemeint ist oder ein Streit, der außer Kontrolle gerät.
Dieser Text erklärt beide Bedeutungen genau, ordnet die zwei konkurrierenden Herkunftstheorien ein und zeigt verwandte Redewendungen rund ums Fass.
Bedeutung: zwei ganz unterschiedliche Lesarten
„Ein Fass aufmachen“ wird heute vor allem in zwei Bedeutungen verwendet. Erstens: ausgelassen feiern, oft mit reichlich Alkohol, etwa bei einem Fest oder einer Party. Zweitens, deutlich häufiger im heutigen Sprachgebrauch: ein an sich kleines Thema unnötig aufbauschen und daraus eine überzogene Diskussion oder einen Streit machen, wie in „Mach doch nicht gleich so ein Fass auf, das war doch nur ein Missverständnis“. Beide Bedeutungen teilen das Bild eines Fasses, dessen Inhalt sich, einmal geöffnet, nicht mehr kontrollieren lässt. Welche Lesart gemeint ist, ergibt sich fast immer eindeutig aus dem Satzzusammenhang und der Situation, in der die Wendung fällt.
Herkunft: Nürnberger Brauer und schlechtes Bier
Eine deutsche Erklärung verortet den Ursprung im Nürnberg des 14. Jahrhunderts. Brauer, die minderwertiges oder verdorbenes Bier verkaufen wollten, gerieten demnach in Konflikt mit der städtischen Aufsichtsbehörde. Als Strafe oder Kontrollmaßnahme ließ die Behörde den betroffenen Fässern öffentlich die Böden ausschlagen, sodass der Inhalt sichtbar auslief — ein Fass wurde also im wörtlichen Sinn „aufgemacht“, mit unangenehmen Folgen für den Brauer. Dieses drastische Bild einer öffentlichen Bloßstellung passt gut zur heutigen Bedeutung des Aufbauschens. Die Episode wird üblicherweise ohne konkrete Jahreszahl oder Namensnennung einzelner Brauer wiedergegeben, weshalb sich ihr genauer historischer Kern schwer nachprüfen lässt, auch wenn das Motiv strenger städtischer Braukontrolle im Mittelalter insgesamt gut belegt ist.
Die englische Spur: „to make a fuss“
Eine zweite, sprachlich naheliegende Erklärung führt den Ausdruck auf das englische „to make a fuss of something“ zurück, was so viel bedeutet wie „viel Aufhebens um etwas machen“. Die lautliche Nähe zwischen dem englischen „fuss“ und dem deutschen „Fass“ könnte demnach zu einer volksetymologischen Umdeutung geführt haben, bei der aus der englischen Redewendung im Deutschen das anschauliche Bild vom geöffneten Fass wurde. Welche der beiden Theorien tatsächlich zutrifft, lässt sich nicht abschließend klären, beide werden in verschiedenen Quellen nebeneinander genannt. Für Sprachforscher sind solche lautlichen Zufallsähnlichkeiten zwischen zwei Sprachen ein bekanntes Phänomen, das gelegentlich zu genau solchen volksetymologischen Umdeutungen führt, ohne dass sich ein direkter Übersetzungsweg beweisen lässt.
Bierqualität und Braurecht im Mittelalter
Die Nürnberger Theorie passt in einen größeren historischen Zusammenhang: Städte im deutschsprachigen Raum kontrollierten die Bierqualität schon im Mittelalter streng, weil Bier als Grundnahrungsmittel galt und verdorbenes Bier gesundheitliche Folgen haben konnte. Bekanntestes Beispiel für solche Vorschriften ist das bayerische Reinheitsgebot von 1516, das die erlaubten Zutaten für Bier festlegte. Auch wenn dieses konkrete Gebot nicht direkt mit der Nürnberger Fass-Geschichte zusammenhängt, zeigt es, wie ernst mittelalterliche Städte die Brauqualität nahmen und wie plausibel öffentliche Strafmaßnahmen gegen unehrliche Brauer in diesem Umfeld erscheinen.
Verwandte Redewendungen ums Fass
Das Deutsche kennt weitere Redewendungen mit demselben Requisit. „Das Fass zum Überlaufen bringen“ beschreibt den letzten, entscheidenden Auslöser nach vielen kleineren Ärgernissen. „Ein Fass ohne Boden“ steht dagegen für eine Sache, die immer mehr Geld oder Aufwand verschlingt, ohne je fertig zu werden. Alle drei Wendungen nutzen das Fass als Sinnbild für etwas, das begrenzt erscheint, sich aber unter bestimmten Umständen nicht mehr kontrollieren lässt. Das Fass eignete sich als Bild besonders gut, weil es im Alltag früherer Jahrhunderte allgegenwärtig war, für Bier, Wein, Wasser und viele andere Waren, und jeder aus eigener Anschauung wusste, wie schnell ein geöffnetes Fass ausläuft.
Beispielsätze aus dem Alltag
„Nach dem Vertragsabschluss haben wir richtig ein Fass aufgemacht“ meint eine ausgelassene Feier. „Warum macht ihr wegen einer kleinen Verspätung gleich so ein Fass auf?“ nutzt die zweite, kritische Bedeutung. Am Tonfall und Kontext lässt sich meist sofort erkennen, welche der beiden Lesarten gemeint ist, auch ohne weitere Erklärung. In Diskussionen und Kommentarspalten im Internet wird die kritische Bedeutung inzwischen deutlich häufiger verwendet als die feierliche, vermutlich weil Streit und Aufregung dort naturgemäß präsenter sind als ausgelassene Feiern.
Häufige Fragen
Was bedeutet „ein Fass aufmachen“?
Entweder ausgelassen feiern oder ein Thema unnötig aufbauschen und daraus eine übertriebene Diskussion machen. Der Kontext und Tonfall entscheiden über die richtige Lesart.
Woher kommt die Redewendung wirklich?
Zwei Theorien konkurrieren: Nürnberger Brauer im 14. Jahrhundert oder das englische „to make a fuss“. Keine der beiden gilt als abschließend bewiesen oder vollständig widerlegt.
Was geschah mit schlechtem Bier im mittelalterlichen Nürnberg?
Der Überlieferung zufolge wurde minderwertiges Bier öffentlich ausgeschlagen, das Fass also buchstäblich geöffnet und der verdorbene Inhalt für alle sichtbar gemacht.
Was bedeutet „das Fass zum Überlaufen bringen“?
Den letzten, entscheidenden Auslöser nennen, nachdem sich schon viele kleinere Ärgernisse über längere Zeit angesammelt haben.
Was ist ein „Fass ohne Boden“?
Eine Sache, die immer mehr Geld, Zeit oder Aufwand verschlingt, ohne jemals fertig oder abgeschlossen zu sein.
Ist „ein Fass aufmachen“ eher positiv oder negativ gemeint?
Beides ist möglich: positiv bei einer ausgelassenen Feier, negativ bei einer aufgebauschten, übertriebenen Diskussion oder einem unnötigen, lauten Streit.
Quellen
Geschrieben von Mira, Redaktion sprichwortatlas.de — sie erklärt hier Redewendungen, ihre Herkunft und ihren Gebrauch.






