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Stein im Brett haben: Bedeutung und Herkunft der Redewendung

Aktualisiert am 17.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Titelbild: Knowledge4life via Wikimedia Commons (Public domain)

Kurzantwort: „Bei jemandem einen Stein im Brett haben“ bedeutet, bei dieser Person beliebt zu sein und ihre besondere Gunst zu genießen. Die Redewendung stammt aus dem mittelalterlichen Brettspiel Puff, auch Tricktrack genannt. Wer dort einen Spielstein günstig platziert hatte, war im Vorteil. Der älteste Beleg steht in der Sprichwörtersammlung des Johannes Agricola von 1529: „Ich hab eyn guten steyn im brette.“

Die neue Kollegin bringt am ersten Tag Kuchen mit. Seitdem hat sie beim ganzen Team einen Stein im Brett. Der Enkel ruft jede Woche an, und die Oma verzeiht ihm alles. Er hat bei ihr einen Stein im Brett.

Die Wendung ist alltäglich, ihr Bild ist es nicht mehr. Kaum jemand spielt heute noch Puff. Vor 500 Jahren war das Spiel so verbreitet, dass jeder sofort verstand, was ein guter Stein im Brett wert ist.

Die Herkunft ist gut belegt, und sie enthält eine kleine Merkwürdigkeit: Genau genommen ergibt die heutige Form der Redewendung keinen Sinn.

Was „einen Stein im Brett haben“ bedeutet

Der Duden erklärt die Wendung mit „jemandes besondere Gunst genießen“. Der Redensarten-Index nennt: bei jemandem beliebt sein, als sympathisch gelten. Wiktionary gibt als Synonym „bei jemandem hoch im Kurs stehen“ und als Gegenteil „bei jemandem unten durch sein“ oder „es sich mit jemandem verscherzt haben“.

Die Wendung beschreibt einen Zustand, keinen einzelnen Moment. Wer einen Stein im Brett hat, hat sich das Wohlwollen erarbeitet und darf jetzt davon zehren. Beispiele aus dem Redensarten-Index: Ein Fußballspieler „hat bei Trainer Ribbeck einen Stein im Brett“. Ein Klosterbier verschafft den Mönchen „beim Besucher sofort einen Stein im Brett“.

Die Herkunft: das Brettspiel Puff

„Stein“ bedeutet hier Spielstein. Das Brett ist das Spielbrett. Die Redewendung kommt laut Wiktionary, Duden und Redensarten-Index aus dem Spiel Puff, das auch Tricktrack oder Wurfzabel heißt. Es ist ein Vorläufer des heutigen Backgammon: Zwei Spieler ziehen ihre Steine nach Würfelwurf über ein Brett mit Feldern.

Was ein guter Stein im Brett war

Wiktionary beruft sich auf Lutz Röhrichs „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ und erklärt die Spielsituation so: Ein „Bund“ sind zwei Steine nebeneinander an einer Stelle, über die der Gegner noch hinübermuss. Wer einen solchen Bund hat und zugleich einen eigenen Stein schon jenseits davon platziert hat, hat halb gewonnen. Ein gut gesetzter Stein war ein Vorteil, den der Gegner nicht mehr wegbekam.

Der Redensarten-Index bestätigt: Die Redensart bezeichnete zunächst nur den Vorteil, den man durch eine bestimmte Lage seiner Steine im Spiel hatte.

Der Beleg von 1529

Der Reformator Johannes Agricola gab 1529 eine Sammlung deutscher Sprichwörter heraus. Dort steht: „Ich hab eyn guten steyn im brette.“ Das ist laut Redensarten-Index und Wiktionary der erste bekannte Beleg. Die Wendung ist also mindestens fast 500 Jahre alt.

Warum „bei jemandem“ eigentlich unlogisch ist

In Agricolas Fassung fehlt das „bei jemandem“. Dieser Zusatz kam später hinzu, und er passt nicht zum Spiel. Wiktionary und Redensarten-Index weisen beide darauf hin: Ein Stein, der beim Gegner im Feld steht, ist für diesen eine Störung und eine Bedrohung. Der Gegner findet den Verursacher deshalb eher unsympathisch. Trotzdem hat sich genau diese Form durchgesetzt. Sprache muss nicht logisch sein, sie muss verstanden werden.

Der Duden versucht eine Brücke: Der gut gesetzte Stein auf dem Feld des Gegners könnte „durch einen entsprechend geschickten Spielzug die Anerkennung des Gegners finden“. So wird aus dem Ärger Respekt, und aus dem Respekt Gunst.

Schiller und der Stein im Brett

Bis ins 18. Jahrhundert war die Wendung in der Literatur präsent. Der Redensarten-Index zitiert Friedrich Schillers „Wallenstein“. Dort sagt ein Kürassier über Max Piccolomini: „Der versteht sich auf solche Sachen, / Kann bei dem Friedländer alles machen, / Hat auch einen großen Stein im Brett / Bei des Kaisers und Königs Majestät.“ Der „Friedländer“ ist Wallenstein selbst. Die Form mit „bei“ war damals also längst üblich.

So benutzt du die Redewendung heute

Die Wendung ist Umgangssprache und passt in fast jeden Zusammenhang, von der Familie bis zur Firma.

  • „Seit er den Umzug organisiert hat, hat er bei den Nachbarn einen Stein im Brett.“
  • „Mit dem Bericht hast du beim Vorstand einen dicken Stein im Brett.“
  • „Die Katze hat bei meiner Mutter einen Stein im Brett. Ich nicht.“

Üblich sind die Steigerungen „einen dicken Stein“ oder „einen großen Stein im Brett“. Ein Beispiel aus dem Redensarten-Index rät: „Behalten Sie es für sich, wenn Sie beim Chef einen Stein im Brett haben.“

Verwandte Redewendungen aus dem Spiel

Spiele haben noch mehr Spuren in der Sprache hinterlassen. Aus dem Schach stammen „jemanden matt setzen“ und „in Schach halten“. Aus dem Kartenspiel kommen „alle Trümpfe in der Hand haben“ und „die Karten auf den Tisch legen“. Und wer heute „gut angeschrieben“ ist, benutzt ein Bild aus der Wirtshausrechnung.

Andere Wendungen für Beliebtheit: „bei jemandem hoch im Kurs stehen“, „bei jemandem gut angeschrieben sein“, „jemandes Liebling sein“. Das Gegenteil: „bei jemandem unten durch sein“, „es sich mit jemandem verscherzt haben“.

Häufige Fragen

Was bedeutet „einen Stein im Brett haben“?

Bei jemandem beliebt sein und seine besondere Gunst genießen.

Woher kommt die Redewendung?

Aus dem mittelalterlichen Brettspiel Puff oder Tricktrack, einem Vorläufer des Backgammon. Ein gut platzierter Spielstein war ein Vorteil.

Seit wann ist die Wendung belegt?

Seit 1529, in der Sprichwörtersammlung des Johannes Agricola: „Ich hab eyn guten steyn im brette.“

Warum ist „bei jemandem“ unlogisch?

Weil ein Stein im Feld des Gegners diesen stört. Der Zusatz kam später hinzu und hat sich trotzdem durchgesetzt.

Heißt es „Stein im Brett“ oder „Stein am Brett“?

„Im Brett“. Der Stein steht im Spielbrett, auf einem der Felder.

Was ist das Gegenteil?

„Bei jemandem unten durch sein“ oder „es sich mit jemandem verscherzt haben“.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von David Lenk fuer sprichwortatlas.de. Strittige Faelle werden als strittig gekennzeichnet.


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