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Kurz gesagt: „Etwas auf die lange Bank schieben“ bedeutet, eine Sache aufzuschieben. Die Wendung stammt aus alten Gerichtssälen: Akten wurden dort in einer langen Truhenbank aufbewahrt – wer eine Sache dorthin schob, verzögerte sie.
Die Bank war ein Möbelstück, kein Bild – und sie stand tatsächlich im Saal.
Was sie bedeutet
Gemeint ist das Verschleppen einer Aufgabe oder Entscheidung. Mitgemeint ist meist, dass es absichtlich geschieht.
„Die Reform wurde jahrelang auf die lange Bank geschoben.“
Der Ton ist kritisch. Wer etwas auf die lange Bank schiebt, drückt sich.
Woher sie kommt
In Gerichtssälen des Mittelalters und der frühen Neuzeit gab es keine Aktenschränke. Schriftstücke lagerten in Truhen – und eine besonders lange, an der Wand stehende Truhe diente zugleich als Sitzbank.
Verfahren, die nicht dringend waren oder bewusst verzögert werden sollten, wanderten in diese Bank. Dort lagen sie, bis jemand sie wieder hervorholte – manchmal Jahre später, manchmal nie.
Wer als Prozessgegner Einfluss hatte, konnte darauf hinwirken, dass eine Sache dorthin geschoben wurde. Die Verzögerung war damit ein wirksames Mittel.
Belegt ist die Wendung im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert.
Die verwandte Vorstellung
Aus demselben Umfeld stammt „etwas ad acta legen“ – zu den Akten legen. Auch dort geht es um Schriftstücke, allerdings mit einem endgültigeren Ton: Was ad acta gelegt ist, gilt als erledigt.
Verwandte Ausdrücke
- Auf die lange Bank – aufschieben, mit Absicht
- Ad acta legen – endgültig beiseitelegen
- Etwas vor sich herschieben – aufschieben ohne Kalkül
- Auf Eis legen – vorübergehend stoppen, mit der Absicht, später fortzufahren
Beispiele
„Schieb den Arztbesuch nicht auf die lange Bank.“
„Die Entscheidung wurde auf die lange Bank geschoben.“
„Was du heute kannst besorgen, schiebe nicht auf die lange Bank.“
Häufige Fragen
Ist es eine Redewendung oder ein Sprichwort?
Eine Redewendung. Sprichwörter sind vollständige Sätze mit einer Lebensweisheit.
Was heißt „ad acta legen“?
Wörtlich „zu den Akten legen“. Eine Sache gilt damit als abgeschlossen, nicht als aufgeschoben.
Gibt es die Bank noch?
Truhenbänke sind aus Gerichtssälen verschwunden. Die Wendung hat das Möbelstück überlebt.
Quellen
Geschrieben von Bella, Redaktion sprichwortatlas.de — sie schreibt hier über Redewendungen und ihre Herkunft.






